Jahresabschluss 2009 – Teil 2
… und der zweite folgt sogleich. Die Sanierung der Innenstadt wird Schwabmünchen ein neues Bild verpassen, wirklich neue Ideen finden sich aber nicht.
Im kommenden Jahr geht es los mit der lange geplanten Innenstadtsanierung. Erfreulicherweise war bei der Planung auch die Bürgerschaft eingebunden, die Empfehlungen zur Gestaltung abgeben durfte. Darunter sind einige sich widersprechende Wünsche, z.B. Verkehrsberuhigung und gleichzeiting mehr Parkplätze schaffen. Doch auch zukunftsweisende und nachhaltig lebenswerte Ideen: Aufwertung der Grünflächen, bessere Aufenthaltsqualität, Kunst im öffentlichen Raum, ein Kulturhaus sind nur eine Auswahl. Was davon realisiert wird, steht wie immer auf einem anderen Blatt. Geld und Sachzwänge sind da gerne der gewichtigere Teil bei der Abwägung.
Was man aber schon jetzt aus den Planungsunterlagen ersehen kann, ist, dass Schwabmünchen eine grosse Chance verspielt, die Innenstadt als lebenswerten Raum zu gestalten. Im gesamten Bereich wurde der motorisierten Verkehr als Faktum akzeptiert und die Bedürfnisse von Fussgängern und Radfahrern drumherumgeplant. Von Weitsicht und Nachhaltigkeit keine Spur, stattdessen das allfällige Wirtschaftsmantra vom Parkplatz vor der Geschäftstüre. Dabei sollte bedacht werden, dass sich unser Mobilitätskonzept grundsätzlich in einem Wandel befindet, der wieder weg vom motorisierten Individualverkehr führt. Fernab der Großstädte mag das noch nicht so deutlich zu spüren sein, da der (Park-) Platzmangel dort nicht so offensichtlich ist. Ein wenig Vorausschau ist aber trotzdem angebracht. Denn schon einmal hat Schwabmünchen in der Verkehrspolitik aufs falsche Pferd gesetzt. Als anderswo bereits der Albtraum der autofreundlichen Stadt beerdigt war, wurden hier die Straßen verbreitert und das unansehnliche Kreuzungsungetüm Luitpold-/Feyerabenstraße geschaffen.
Doch einen Lerneffekt, der sich bereits jetzt zeigt, darf nicht unerwähnt bleiben. Als sich der Stadtrat 2007 mit der Frage zu beschäftigen hatte, ob man aktiv gegen Kinderarbeit vorgehen wolle, lautete das Ergebnis “im Prinzip ja, aber nur ja nicht konsequent“. Bei Steinen, die für die Neugestaltung der Innenstadt angeschafft werden, soll in der Ausschreibung explizit darauf hingewiesen werden, dass diese nicht durch Kinderarbeit abgebaut werden dürfen. Bleibt zu hoffen, dass diese Forderung nicht umgangen wird. An der Stelle wäre es vielleicht sinnvoll, statt Granit aus Portugal herzutransportieren, auf Material aus Regionen zurückzugreifen, die näher liegen und damit im Zweifelsfall direkt kontrolliert werden können.
Um den Stock aus dem Kommentar zur Bürgervesammlung aufzunehmen, auch hier wäre mehr Vision und vor allem auch mehr Mut wünschenswert gewesen. Mein Eindruck ist, dass bei der Realisierung zu oft die Straßenverkehrsordnung zu Rate gezogen wurde, dabei sollte die Stadt doch eigentlich für alle Bürger da sein und nicht alleine für Verkehrsteilnehmer.




