Allgäu-Franken-Express auf dem Abstellgleis?

17. November 2010 ·

Sieht man einmal vom notorisch überbelegten P+R Platz und der zu geringen Anzahl von Fahrradabstellplätzen ab, kommen Bahnpendler in Schwabmünchen recht gut vom Fleck. Als kleines Schmankerl gibt es den Allgäu-Franken-Express, der viermal täglich verkehrt und Reisende in nicht einmal 90 Minuten ohne Umsteigen nach Nürnberg bringt, auch noch obendrauf.
Mit dem Fahrplanwechsel zum 12. Dezember 2010 wird sich das ändern. Stattdessen werden nur noch zwei Direktverbindungen angeboten. Die übrigen Reisemöglichkeiten bedeuten zwangsläufig, dass am Hauptbahnhof Augsburg umgestiegen werden muss. Neben den Umständen, die das zwangsläufig bereitet, verlängert sich auch die Reisezeit. Was selbst bei einem Umstieg in einen ICE der Fall ist, da dieser auf der Strecke Augsburg-Nürnberg keine wesentlichen Geschwindigkeitsvorteile gegenüber dem jetzigen Allgäu-Franken-Express hat. Überspitzt formuliert bedeutet das: längere Reisezeit für einen höheren Preis.

Da wundert es nicht, dass sich die Bahn und der bayerische Verkehrsminister Martin Zeil (CSU), bemühen, die neue Situation in einem positiven Licht darzustellen. Von einem neuen Konzept und einer besseren Anbindung an den Fernverkehr ist die Rede. Und tatsächlich scheint das auf den ersten Blick auch zu stimmen. Im aktuellen Fahrplan gibt es werktags 15 Verbindungen, die mit höchstens einmaligem Umsteigen von Schwabmünchen nach Nürnberg fahren. Ab Dezember 2010 werden es drei mehr sein, zwei davon mit ICE ab Augsburg. Negativ ist hingegen, dass sich trotz Hochgeschwindigkeitszug, die durchschnittliche Reisezeit um vier Minuten verschlechtert, sie wird dann bei ca. 1h 58 min liegen. Ein konkretes Beispiel, was das in der Praxis bedeutet:

Bisher fährt um 8:59 Uhr der Allgäu-Franken-Express am Bahnhof Schwabmünchen ab, um 10:27 Uhr kommt er am Nürnberg Hauptbahnhof an. Das ist eine Reiszeit von 1:28, der Fahrpreis beträgt regulär € 27,10. Mit dem kommenden Fahrplan heißt es, um 09:19 Uhr mit der Regionalbahn nach Augsburg zu fahren. Dort geht es um 09:47 Uhr weiter mit dem ICE nach Nürnberg. Die Reisezeit beträgt 1:37 und kostet regulär € 35. Fünf Minuten Umsteigezeit sind allerdings unrealistisch, weswegen es sich empfiehlt, schon um 08:59 Uhr in Schwabmünchen starten. Die Reisezeit wächst damit auf 1:57 also knapp zwei Stunden an. Noch deutlicher wird es bei Hin- und Rückreise am gleichen Tag, denn da schlägt auch noch der Preisvorteil des Bayern-Tickets zu Buche. Die bisherigen € 23 (Bayern-Ticket + Streifenkarte bis Bobingen) stehen den € 70 für die „neue“ ICE-Verbindung gegenüber. Knapp drei Stunden mit dem Allgäu-Franken-Express sind auch wesentlich kürzer als die vier Stunden mit dem ICE.

Für Bahnkunden, die zwischen dem Allgäu und Nürnberg unterwegs sind, bedeutet der neue Fahrplan also einen Komfortverlust bei gleichzeitig höheren Fahrpreisen. Vorteile bietet er einzig für diejenigen Reisenden, die bisher Nürnberg als Zugang zum ICE-Fernverkehr nutzten. Das war eigentlich nur dann der Fall, wenn der Allgäu-Franken-Express genutzt wurde. Alle anderen Routen hatten von jeher Augsburg und München als Umsteigebahnhof. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Bahnkunden zum teureren ICE verleitet werden sollen. Seit der Einführung des Allgäu-Franken-Express ist er ein Schnäppchentipp für Ausflügler, wie auch Geschäftsreisende. Mit ein wenig mehr Gegenleistung mag man da höhere Preise rechtfertigen können. Alleine die Gegenleistung, die den Aufschlag rechtfertig fehlt hier. Vorteile ergeben sich nur für die Bahn, die meisten Kunden werden hingegen in die Röhre schauen.

Foto: Sebastian Terfloth, lizensiert unter Creative Commons CC by-sa 2.5

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5 Kommentare zu “Allgäu-Franken-Express auf dem Abstellgleis?”

  1. Menkinger sagt:

    Das Streichkonzert gilt für die umgekehrte Richtung auch. Bisher fuhren 2 Züge (15:34 + 17:34) Non Stop von Nürnberg nach Schwabmünchen, in zukunft nur noch einer um 17:33. Zwischen 3 und 4 geht es nur noch mit 2 mal umsteigen und es dauert mindestens 2 Stunden 12 Minuten. Für die dann auch noch 43 Euro zu zahlen sind, weil der Umweg über Ingolstadt geht. Das versteh wer will.

  2. Menkinger sagt:

    Achja, die Streifenkarte nach Bobingen kann man sich sparen, pünktlich um 8:59 ist der bei mir noch nie losgefahren 8)

  3. [...] Gerne wäre ich auch dabei gewesen, aber die, nur unter ganz bestimmten Gesichtspunkten sinnvolle, Fahrplanänderung der Bahn, hat aus spontanen Besuchen in Hersbruck, eine halbe Weltreise [...]

  4. [...] der Fahrplanwechsel im letzten Jahr noch Schatten und Licht, sieht es dieses Jahr für die Bahnpendler aus Schwabmünchen richtig finster aus. Auf [...]

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