Regionalplan soll zum Thema Windkraft aktualisiert werden

9. März 2011 ·

Wo in der Region zukünftig Windräder stehen könnten, bestimmt der 2007 veröffentlichte Regionalplan des Regionalen Planungsverbands Augsburg (RPV), zu dem auch Schwabmünchen gehört. In ihm sind sog. Vorranggebiete ausgewiesen, in denen die Nutzung der Windenergie zur Stromversorgung möglich ist und genehmigt werden kann. Konkret heißt das, dass dort ausreichend hohe Windgeschwindigkeiten (3 – 4,7 m/s in 50m Höhe) vorherrschen, ein ausreichend großer Abstand zu Siedlungen, Stromleitungen, Flugplätzen etc. besteht und der Naturschutz gewährleistet ist. Acht dieser Vorranggebiete gibt es derzeit, sie befinden sich in den Landkreisen Dillingen a. d. Donau und Donau-Ries.
Nicht grundsätzlich ungeeignet, aber auch nicht automatisch genehmigungsfähig, sind Windräder in sog. Vorbehaltsgebieten. Die vier Vorbehaltsgebiete liegen in den Landkreisen Dillingen a. d. Donau und Aichach-Friedberg. Dominiert wird die Planungsregion von Ausschlussflächen, auf denen keine Windräder errichtet werden können. Daneben gibt es noch die sog. weißen Flecken, die bisher ebenfalls als nicht windkraftgeeignet angesehen wurden. Durch eine Gerichtsentscheidung wurde das allerdings revidiert, daher will der RPV diese Flächen auf ihre Eignung untersuchen, um den Regionalplan entsprechend weiterzuentwickeln.

Weißer Fleck bei Schwabegg soll geprüft werden

Rot schattiert sind die Gebiete in denen laut Regionalplan keine Nutzung der Windkraft möglich ist. Die "weißen Flecken" sollen jetzt auf ihre Eignung als Windkraftstandorte geprüft.

Auch im Gemeindegebiet von Schwabmünchen gibt es solche weißen Flecken. Vier kleinere befinden sich bei BirkachKlimmach und der Leuthau. Das größte Gebiet, das jetzt untersucht werden soll, liegt östlich von Schwabegg. Durch diese Prüfung werden die Flächen aber nicht automatisch zu Vorranggebieten. Das Ergebnis kann auch sein, dass dort keine Windkraftnutzung möglich ist, etwa weil der Naturschutz dagegen spricht. Die Frage ist auch, ob die dort vorherrschende Windgeschwindigkeit überhaupt für Windräder ausreicht. Im Bayerischen Windatlas (siehe dieses PDF ab S. 20) sind für das Areal Geschwindigkeiten verzeichnet, die unter der Bemessungsgrenze von 2007 liegen. Besser sähen da die Verhältnisse für Windkraft im Osten von Schwabmünchen aus, wäre dort nicht wegen des Flugplatzes Lechfeld eine Ausschlussfläche ausgewiesen.

Standortsuche für Windräder gestaltet sich schwierig

Wie schwierig es tatsächlich ist einen geeigneten Standort für ein Windrad zu finden, zeigt ein Gutachten, das für die Verwaltungsgemeinschaft Langerringen erstellt wurde. Obwohl dort laut Bayerischem Windatlas höhere Windgeschwindigkeiten als bei Schwabegg vorherrschen, wird die sog. Windhöffigkeit nur als bedingt ausreichend angesehen. Von den drei untersuchten Standorten, bestehen nur bei einem keine Konflikte mit dem Naturschutz. Selbst wenn es gelingt einen geeigneten Standort zu finden, ist die Windkraft nicht unumstritten. Trotz allgemeiner Akzeptanz der erneuerbaren Energien, sind Windräder in der Regel große Bauwerke, die immer auch einen Eingriff ins Landschaftsbild darstellen, der in der Bevölkerung auf Widerstände stoßen kann. Da ist dann Abwägung und vor allem Überzeugungsarbeit gefragt, wenn man den Anteil der erneuerbaren Energien weiter erhöhen will.

Windenergie als Baustein für energieautarke Gemeinden

Legt man den durchschnittlichen Pro-Kopf-Stromverbrauch in Bayern zugrunde, dann versorgt sich nach diesen Berechnungen der Landkreis Augsburg zu 28% mit Strom aus erneuerbaren Energien, der auch hier erzeugt wird. Fünf Orte, Kleinaitingen, Meitingen, Hiltenfingen, Großaitingen und Langweid am Lech kommen auf ihr Gemeindegebiet bezogen sogar schon über 100%, der Großteil, nämlich 32 Gemeinden (u.a. Schwabmünchen), liegt unterhalb des Durchschnitts. Da könnte die Nutzung der Windenergie vielen Gemeinden helfen, einen Schritt weiter in Richtung energieautarker Gemeinde zu machen.

Nachtrag vom 7.4.11: Im Energie-Atlas Bayern, der am 5. April 2011 vorgestellt wurde, sind die Daten für Windgeschwindigkeiten auf 80m und 140m hochgerechnet worden. Demnach ergeben sich östlich von Schwabegg in 80m Höhe Geschwindigkeiten zw. 3,5 und 3,9 m/s, in 140m Höhe sind es zwischen 4,0 und 4,9 m/s. Da es sich um hochgerechnete Werte handelt, ändert sich dadurch nicht die Bewertung hinsichtlich der Eignung als Windkraftstandort.

Nachtrag vom 20.12.11: Der VGH München hat am 17.11.2011 entschieden, dass im Gebiet des Regionalplans Oberfranken-Ost Windenergieanlagen nur in Vorranggebieten möglich sind.

Bild oben: dharder

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13 Kommentare zu “Regionalplan soll zum Thema Windkraft aktualisiert werden”

  1. Menkinger sagt:

    Nach dem Funkmast jetzt auch noch die Windräder, ob das den Schwabeggern gefällt?

    • Jetzt wird erstmal geprüft ob das dort überhaupt geht. Nach der aktuellen juristischen Situation könnte da auch schon heute jemand ein Windrad hinstellen. Das worum es im Detail geht, bzw. was der neue Regionalplan bringen soll, ist Klarheit über die weißen Flecken. Reicht die Windgeschwindigkeit überhaupt und/oder sprechen rechtliche Gründe gegen einen Bau. Wie oben geschrieben, nach den Kriterien von 2007 reicht höchstwahrscheinlich die Windgeschwindigkeit nicht aus. Da ist das Lechfeld östlich von SMÜ der bedeutend geeignetere Platz, da hat aber die Luftwaffe berechtigterweise was dagegen. Die Abstände zu den Siedlungen erscheinen mir auch etwas zu knapp bemessen zu sein. Aber das kann auch täuschen die Originalkarte ist nicht das was ich als gute Darstellung bezeichnen würde..

      • Menkinger sagt:

        Was hatte der Regionalplan dann bisher für einen Sinn wenn die Gebiete nicht klar geregelt sind?

        • Ich werfe dann mal einen Blick in die Glaskugel für Behördendeutsch ;-) …. Keine Ahnung.
          Klar ist, es gibt Vorranggebiete, da kann gebaut werden und der zuständige Gemeinderat kann nicht viel dagegen einwenden, weil der Wind kräftig genug bläst und keine juristischen Bedenken bestehen. Dann haben wir die Vorbehaltsgebiete, die interpretiere ich so, dass es im Grunde möglich ist, der Gemeinderat aber noch etwas mitzubestimmen hat. Klar dürften die Ausschlussflächen sein. Da geht einfach nix, sei es weil der Flugplatz in der Nähe ist, der Naturpark westliche Wälder, Siedlungen etc. pp.
          Die weißen Flecken habe ich nach der Lektüre der Regionalplans so interpretiert, dass der Gemeinderat dort explizit alle Bauanträge selbst auf die Erfüllung der Vorraussetzungen prüfen muss. Mir persönlich ist es ein Rätsel wie man darauf kommen konnte, dass die weißen Flecken automatisch wie Ausschlussgebiete zu behandeln seien.

  2. [...] An Windkraftanlagen scheiden sich da die Geister, wie die teils ablehnenden Reaktionen auf die Weiterentwicklung des Regionalplans zeigt. Neben aller begründeten Skepsis, ist alleine die Angst vor dem Neuen kein guter [...]

  3. [...] Techniken, wie nachhaltige Energieversorgung in Zukunft aussehen wird. Vorausgesetzt die Region kommt beim Thema Windkraft endlich zu Potte. Denn viele ALternativen dazu haben wir nicht. Die Wasserkraft ist weitgehend [...]

  4. [...] auch auf das Lechfeld übertragbar, wo die Nähe zu den Flugplätzen Lechfeld und Penzing, große Windkraftanlagen so gut wie unmöglich sind. Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein und verschlagwortet mit free energy, lechfeld, [...]

  5. [...] vergleichsweise niedrige Windgeschwindigkeiten für Schwabmünchen verzeichnet und gleichzeitig der Regionalplan große Teile des Gemeindegebiets als Auschlussflächen ausweist. Besser sähe es möglicherweise für die Nutzung der Erdwärme aus, wozu die [...]

  6. [...] Auch wenn sich in der Region noch wenig Potenzial für Windräder ergibt, könnte sich das mit der kommenden Fassung des Regionalplans aber ändern. Doch was gut für den Atomausstieg ist, fällt nicht überall auf Gegenliebe, daher [...]

  7. [...] wenn sich auch auf dem Lechfeld die Windräder drehen dürfen. Als Haupthindernis wird gerne der Regionalplan angeführt, der im südlichen Landkreis Augsburg den Bau von Windrädern entweder ganz ausschließt [...]

  8. [...] steht. Mit Solar alleine werden wir also nicht mehr allzu weit kommen. Die Diskussion um die Windkraft als Teil der regionalen Stromproduktion wird folglich ernster diskutiert werden müssen, als das bisher der Fall [...]

  9. [...] Ausweisung von geeigneten Windkraftstandorten maßgebliche Regionalplan ist veraltet. Der wird zwar gerade aktualisiert und dabei soll dann auch die technische Weiterentwicklung der Windräder berücksichtigt werden, [...]

  10. [...] sollen, steht in den Sternen, da notwendige Änderungen bei den Planungsgrundlagen, wie etwa dem Regionalplan, noch auf sich warten lassen. Da wo sich schon Bewegung abzeichnet, so wie bei der sog. [...]

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