Stadt Schwabmünchen sammelt Beschwerden zur Fahrplanumstellung der Bahn
Obwohl es offensichtlich ist, dass mit der letzten Fahrplanumstellung des Bahnverkehrs eine dramatische Verschlechterung für Bahnpendler aus Schwabmünchen einhergeht, bewegen sich Lösungsansätze noch rein auf der Ebene des Abwiegelns.
Mit einem runden Tisch, der nächste Woche am 24. Januar 2012 stattfindet, könnte sich vielleicht mehr Bewegung ergeben. An dem Gespräch sollen neben dem Landrat und den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden, auch Vertreter des AVV, der DB Regio und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Zur Vorbereitung möchte die Stadt Schwabmünchen die Beschwerden der Pendler sammeln. Dazu hat sie ein Online-Formular eingerichtet, in dem die Betroffenen ihre Kritikpunkte äußern können.
Bleibt zu hoffen, dass der runde Tisch mit positiven Ergebnissen aufwarten kann und für die Zukunft Verfahrensweisen gefunden werden, die einen solchen verkehrspolitischen Kahlschlag verhindern. Derart massive Änderungen, dürfen von der BEG einfach nicht ohne Einbeziehung der lokalen Kompetenzträger vorgenommen werden. Da sind vor allem der AVV gefragt, aber auch die Lokalpolitiker. Der ÖPNV gehört nicht erst dann unterstützt, wenn das sprichwörtliche Kind in den Brunnen gefallen ist, sondern muss als Kernthema kommunaler Daseinsvorsorge angesehen werden. In dem Zusammenhang irritiert die aktuelle Aufgeregtheit doch ein wenig. Dass Änderungen am Fahrplan kommen, weil Züge mit Neigetechnik eingeführt werden, hat die BEG frühzeitig öffentlich gemacht. In einem Newsletter (PDF) heißt es:
Weil die Halte in Bobingen und Schwabmünchen durch die Neigetechnik-Linie künftig nicht mehr bedient werden, kompensiert die BEG dies, indem sie zusätzliche Fahrten zwischen Bobingen und Buchloe bestellt.
Das ist kein Freispruch der BEG, ganz im Gegenteil, es ist ja ausdrücklich die Rede von einer Kompensation, aber stutzig sollte das allemal die machen, die sich professionell mit dem Nahverkehr beschäftigen.
Die Frage, die sich die Verantwortlichen der BEG stellen müssen, ist, ob es wirklich notwendig ist, die Verschlechterung des Angebots mit der Einführung neuer Technik zu begründen. Auf der Strecke zwischen Augsburg und Buchloe bringt die Neigetechnik keinerlei Vorteile, die gewonnene Fahrzeit kommt nur durch die Einsparung der Haltepunkte zustande.
Nachtrag: In der gestrigen Stadtratsitzung wurden konkrete Forderungen der Stadt Schwabmünchen beschlossen, mit der die Verkehrsanbindung wieder verbessert werden soll.
- Überlastete Züge müssen um eine weitere Triebwagengarnitur verstärkt werden.
- Bei Neigetechnikzügen muss (auf der Hälfte der Strecke zwischen Augsburg und Buchloe) ein Zwischenhalt in Schwabmünchen eingefügt werden.
- Zu Stoßzeiten muss der 15-Minuten-Takt nach Bobingen bis Schwabmünchen erweitert werden.
Foto: Sebastian Terfloth, lizensiert unter Creative Commons CC by-sa 2.5





Tja, Verkehrspolitik auf vier Rädern ist eben leichter. Nebenbei bemerkt, gibt es eigentlich Bahnpendler unter den Stadträten?
Ja, Herr Zeitler.
http://www.schwabmuenchen.de/index.php?id=3701,42&gid=30
Stimmt ja. Von der SPD sind ja auch immer diese Fahrplankärtchen.
Stand ja auch schon mal in einem anderen Kommentar hier im Blog. Da wurde der Komfort für Touristen erhöht und das auf Kosten der Pendler. Das kann doch nicht angehen, wenn auf so einer wichtigen Achse die Angebote zurückgefahren werden. Das Formular, super Sache, schön gut, alles wunderbar. Mein Eindruck ist aber, da werden konkret ein paar Ärgernisse gesucht, die dann mir Brimborium “bereinigt” werden. Das Problem ist aber tiefgehender, die BEG hat sich auf der Strecke von einem ÖPNV verabschiedet, der mit dem Touristikverkehr verwoben ist. Eigentlich ist das genial, weil die Ressourcen geteilt werden. Mit getrennten Zügen für die Touristik und den Nahverkehr muss jede Verbindung für sich selbst wirtschaftlich sein, ansonsten fällt sie weg. Also gibt es im Zweifel kleinere Züge. Können sie von mir aus auch machen, aber dann muss mindestens ein 20-Minuten-Takt her.
Da soll mir bitte keiner kommen und den überraschten spielen. Meine Kollegen aus dem Allgäu haben erzählt, dass es schon im Frühling letztes Jahr eine Aktion gab bei der abgefragt wurde wie die Verbindungen nach München und Augsburg verbessert werden sollen. Die haben sich scheinbar laut genug zu Wort gemeldet und kommen jetzt schneller an den Arbeitsplatz.
Richtig, es gab irgendeine Form von Beteiligung. Wie die allerdings konkret aussah und ob da nur die Allgäuer gefragt waren, kann ich nicht sagen. Mitbekommen haben jedenfalls nicht allzu viele davon, was auch daran liegen dürfte, dass die Struktur des Bahnverkehrs und die Rolle der BEG erst jetzt den meisten Pendlern klar wird.
Von wegen Struktur. Ein einziges Chaos ist das. Die Bayer. Eisenbahngesellschaft hebelt den Fahrplan des AVV aus und keiner will es gewesen sein. Die Züge sollen jetzt angeblich wegen der Neigetechnik nicht mehr in Schwabmünchen und Bobingen halten können. Für wie blöde werden die Leute denn da gehalten. In Schwabmünchen wurde doch der Bahnsteig renoviert, das muss gehen und ging vorher ja auch schon. Die Züge waren aj schon im Einsatz.
Jetzt sollen Bürgermeister und Landrat die großen Retter sein. Von der gerade laufenden Bürgerbeteiligung zur Nahverkehrsplanung finde ich bei der Stadt und dem Landkreis keine Hinweis darauf. Aber, dass der stellvertretende Landrat mit ner E-Klasse rumkutschieren darf, das ist wichtig.
Nicht so prominent wie der Benz vom Strehle, aber geben tut es den Hinweis schon. Auf http://www.landkreis-augsburg.de/ rechts unten “Nahverkehrsplan im AVV”
Wenn ich das richtig verstehe, dann ist die neue E-Klasse nicht nur für Max Strehle, sondern alle Stellvertreter.
Ja, habe ich überlesen. Das große Bild zerlegt bei mit aber auch das Layout der ganzen Seite.
[...] sein, aber manchmal ist es halt einfach so wie es ist. Während im südlichen Landkreis der Unmut über den Bahnfahrplan weiter kocht, dürfen sich die Stellvertreter von Landrat Martin Sailer über einen neuen Dienstwagen freuen. [...]
Als Ergänzung zu den “lauteren” Allgäuern: Dort haben sich die betroffenen Gemeinden schon im August zu Wort gemeldet und das Gespräch mit der BEG gesucht. Vielleicht wurden die Bürgermeister da auch gezielt informiert, es stand aber auch in der Zeitung. Jedenfalls ist der Fahrplanwechsel zwar selten dämlich, aber keine Nacht und Nebel Aktion, wie sie die Bürgermeister und der Landrat hinstellen.