Die Krux mit dem Klimaschutz

20. Januar 2012 ·

Das Timing könnte besser sein, aber manchmal ist es halt  einfach so wie es ist. Während im südlichen Landkreis der Unmut über den Bahnfahrplan weiter kocht, dürfen sich die Stellvertreter von Landrat Martin Sailer über einen neuen Dienstwagen freuen. Das eigentlich interessante ist aber nicht das zeitliche Zusammentreffen zweier unabhängiger Ereignisse, sondern der Tenor, mit dem das neue Fahrzeug angekündigt wird. Denn es geht um den Klimaschutz, der im Landkreis Augsburg nicht etwa weit oben, sondern ganz oben auf der Prioritätenliste steht. Deswegen fiel die Entscheidung auf eine Mercedes E-Klasse Typ E 200 NGT, also mit Erdgasantrieb. Der, im Vergleich zu herkömmlichen Benzin- und Dieselmotoren, niedrigere Schadstoffausstoß von Erdgasfahrzeugen, verbessert sich noch weiter durch das Tanken von Bio-Erdgas. Damit wird bei jedem km Fahrt rechnerisch nur noch etwa 5g CO2 ausgestoßen.

Ein richtiger Schritt in die richtige Richtung. Erst recht vor dem Hintergrund, dass trotz aller Versprechen um mehr Klimaschutz, der CO2-Ausstoß weiter steigt, ist jede Gegenmaßnahme wichtig. Aber auch dann lohnt es sich einen Blick aufs Detail zu werfen. Das ist in dem Fall etwas, das nicht im Text steht: der konkrete CO2-Ausstoß. Grundsätzlich sind die angegebenen 5g CO2 pro km richtig, auch wenn der Wagen vor Ort natürlich mehr produziert, nämlich ca. 150g. Durch die Verwendung von Methan, das aus einer Biogas-Anlage stammt, wird das aber kompensiert. Es ist quasi das CO2, das vorher auf dem Acker in Planzenmasse und Sauerstoff umgewandelt wurde.

Stutzig macht aber tatsächlich der CO2-Ausstoß mit normalem Erdgas. Gegenüber Kleinwagen und Hybridfahrzeugen, die es teilweise unter 100g CO2 pro km schaffen, muten sich die 150g des E 200 NGT geradezu gigantisch an. Auch wenn der Vergleich der Größe nach hinkt, gibt es ein weiteres Indiz, das dem Erdgas-Mercedes auf den ersten Blick nicht gerade das beste Zeugnis ausstellt. Denn auch wenn es auf der Webseite von Mercedes-Benz zum E 200 NGT heißt: Alternative Antriebe – Moderne Effizienz, springt für ihn nur die Energieeffizinenzklasse E heraus. Das passt zwar zur Typenbezeichnung, bedeutet aber praktisch, dass der Wagen schlechter abschneidet als der Durchschnitt, dem die Effizienzklasse D entspricht. Dabei ist das vergleichsweise hohe Leergewicht der E-Klasse schon berücksichtigt, für eine höhere Effizienz müssten sich die Stellvertreter des Landrats also gar nicht in ein kleineres Fahrzeug quetschen.  Der Haken ist, dass vergleichbare Fahrzeuge mit niedrigerem CO2-Ausstoß in der Regel Diesel als Treibstoff verwenden. Dafür gibt es aktuell keine erneuerbare Alternative. In der Kombination mit Bio-Erdgas macht es also durchaus Sinn, ein vergleichsweise ineffizientes Fahrzeug einzusetzen.

Aber was tun, wenn man auch noch das letzte Quentchen Effizienz und damit Klimaschutz herausholen will? Denn auch die Reduktion die verbleibenden 5g pro km machen Sinn. Allerdings sind in der sog. oberen Mittelklasse Erdgasfahrzeuge eine ausgesprochene Rarität, gängiger sind sie unter den sog. Familienautos.  Mit dem VW Touran und dem Opel Zafira gibt es zwei Vans und mit dem VW Passat sogar eine Mittelklasse-Limousine mit Erdgasantrieb. Ob das nun Fahrzeuge sind, die dem Stand der Stellvertreter des Landrats gerecht werden, muss jeder für sich selbst entscheiden. Rein der Zahlen nach und wenn es mit dem Klimaschutz ernst gemeint ist, spricht jedenfalls nichts dagegen in einen VW Passat EcoFuel einzusteigen. Der besitzt die Energieeffizienzklasse A und produziert mit Erdgas angetrieben nur ca. 119g CO2 pro km, bei Bio-Erdgas sind es rechnerisch nur noch 4g CO2 pro km. Auf den einzelnen Kilometer gesehen klingt das eine Gramm, das der Passat gegenüber der E-Klasse einspart, wie die sprichwörtlichen Peanuts. Aber mal angenommen im Jahr werden 20.000 km damit zurückgelegt, sind das pro Jahr immerhin 20 kg weniger CO2.

Das ist die Krux am Klimaschutz: Mit jedem Schritt, den man gemacht hat, kommt ein neuer, der noch zu meistern ist, um es es besser zu machen.

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2 Kommentare zu “Die Krux mit dem Klimaschutz”

  1. Andre sagt:

    Wenn wir die Problematik mit den Dienstwagen, nicht nur der öffentlichen Stellen, lösen würden, hätte das schon sehr viel Positives für das Klima. Solange Autos danach angeschafft werden, mit welchem Status sie verbunden sind, wird sich da aber nicht viel tun. Schon gar nicht, wenn Dienstwagen indirekt über die Steuer subventioniert werden. Da wäre eine Nummer kleiner für den Landrat und seine Stellvertreter vielleicht genau das richtige Zeichen. Vielleicht, der Zusammenhang drückt sich einem gerade auf, täte es ihnen aber auch ganz gut mal einen Monat auf den Fuhrpark zu verzichten und stattdessen das Angebot des AVV zu nutzen. Ich glaube da muss man kein Prophet sein, um zu ahnen, wie schnell sich Verbesserungen einstellen.

  2. Sandra sagt:

    Da ist nicht das Timing schlecht, sondern die Sache an sich. Kann mir mal jemand erklären warum die stellvertretenden Landräte (und innen) mit so einer Kiste rumkutschieren müssen? Mir geht es nicht ums Auto an sich, bei der Ausdehnung des Landkreises und dem schlechten Nahverkehr (obacht, versteckter Hinweis) wird sich das Alltagsgeschäft nicht ohne ein solches machen lassen. Aber wo bleibt denn da die Vorbildfunktion?

    Klimaschutz bedeutet nicht einfach Benzin durch Gas zu ersetzen, auch wenn das an sich eine gute Idee ist. Es wird nicht ohne Selbstbeschränkung gehen. Das gefällt nicht jedem, ist aber so und heisst dann halt auch mal die Nummer kleiner nehmen. Dann wird es eben der Passast und nicht der Benz. Du hast die Alternativen ja aufgezeigt, wer sich dann doch für die big-is-better-Varainte entscheidet, muss sich dann auch anhören, den Klimaschutz auf die lange Bank zu schieben.

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