Zeit zum Wechseln

28. Januar 2012 ·

Etwa ein Drittel (35%) der Verbraucher kennen die genaue Höhe ihrer Stromkosten. Ein weiteres Drittel (32%) kann seinen Stromverbrauch und die daraus resultierenden Ausgaben noch ungefähr einschätzen, während 32% davon gar keine Vorstellung davon haben. Das ist das Ergebnis einer Studie, die von der Deutschen Energie-Agentur (dena)  in Auftrag gegeben wurde.

Stromsparcheck hilft Einsparpotenziale zu finden

Vor dem Hintergrund steigender Energiekosten sind das für viele Verbraucher die denkbar schlechtesten Voraussetzungen. Erst der genau Blick auf den eigenen Stromverbrauch ermöglicht es alle Einsparungspotenziale zu erkennen, die Umwelt und Geldbeutel entlasten.
Mit dem Stromsparcheck der dena lässt sich in 15 Minuten der eigene Stromverbrauch auswerten. Anzugeben sind neben der Haushaltsgröße und der Wohnfläche, alle elektrischen Geräte im Haushalt. Die Angaben sind dabei so einfach gehalten, dass kein Detailwissen über die Leistungsaufnahmen der einzelnen Verbraucher notwendig ist. Das Ergebnis ist eine Auswertung, die den Stromverbrauch im Haushalt mit dem statistischen Durchschnitt vergleicht und die Einsparungsmöglichkeiten durch die Anschaffung effizienter Geräte aufzeigt.
Der Selbstversuch zeigt, dass wir mit 25% geringerem Stromverbrauch, als dem des Durchschnittshaushalts, zwar recht gut dastehen, trotzdem immer noch Raum für weitere Einsparungen haben.

Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom

Neben der Änderung des Verbrauchsverhaltens, ist auch der Wechsel des Stromanbieters eine Möglichkeit der Umwelt einen Gefallen zu tun und im Idealfall auch noch Geld zu sparen. Einschlägige Vergleichsportale wie verivox, wechseln.de oder Toptarif bieten einen schnellen Überblick über die Preisstruktur im Strommarkt. Spätestens seit der Pleite des Stromanbieters Teldafax dürfte aber klar sein, dass auch beim Strom gilt, dass übertriebene Fokus auf Sparsamkeit alleine, schnell nach hinten losgehen kann. Es ist also sinnvoll sich auf eine breitere Basis von Entscheidungskriterien zu stellen. Beispiele dafür sind die regionale Verwurzlung des Anbieters und der Umweltaspekt. Bei letzterem spielt es nicht nur eine Rolle, wie hoch aktuell der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien ist, sondern auch wie hoch das Engagement des Stromanbieters ist, diesen Anteil weiter auszubauen. Stiftung Warentest hat dazu kürzlich festgestellt, dass echter Umweltnutzen nur dann entsteht, wenn der Ökotarif konventionellen Strom vom Markt verdrängt. Besonders gut schnitten diesbezüglich die vier Anbieter EWS Schönau, Lichtblick, Naturstrom und Greenpeace Energy ab.

Wechsel des Stromlieferanten lohnt sich

Das heißt nun nicht, dass Ökostrom von anderen Anbietern per se schlechter ist. Die Beiträge der großen Stromanbieter zur Diskussion um die Energiewende zeigt aber, es dort noch ein weiter Weg zu 100% Strom aus erneuerbaren Energien ist. Da ist es durchaus Teil der Verbrauchermacht, diejenigen zu belohnen, die sich mehr engagieren. Wie oben schon geschrieben, ist regionale Verwurzlung da ein weiteres Kriterium, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich etwa die kommunalen Stadtwerke sehr deutlich zur Energiewende bekennen. Vor dem Hintergrund erfolgt ein Vergleich von elf Stromtarifen. Sie stammen von den reinen Ökostromanbietern EWS Schönau, Lichtblick, Naturstrom und Greenpeace Energy, außerdem den Lechwerken (LEW), Erdgas Schwaben, die Stadtwerke Landsberg und die Stadtwerke München (SWM). Drei Tarife (LEW Grundversorgung, LEW Avanza, Erdgas Schwaben Schwaben Strom Spar) sind keine Ökostromangebote, sie dienen der preislichen Orientierung.

Anbieter Tarif Kosten
bei 3000 kWh pro Jahr
Vertragslaufzeit Anteil Ökostrom
SWM M-Ökostrom € 737 1 Monat 100%
Erdgas Schwaben Schwaben Strom Spar € 738 1 Jahr 0%
Stadtwerke Landsberg RegionalStrom € 755 1 Jahr 100%
LEW Avanza € 765 1 Jahr 19%
Naturstrom naturstrom € 797 1 Monat 100%
Erdgas Schwaben Schwaben Strom Bio € 798 1 Jahr 100%
EWS Schönau Sonnencent 0,5 € 800 1 Monat 100%
LEW Aqua Natur € 821 1 Jahr 100%
LEW Grundversorgung € 821 1 Monat 19%
LichtBlick LichtBlick-Strom € 833 1 Monat 100%
Greenpeace Energy Ökostrom Privat € 851 1 Monat 100%

Die Interpretation ist relativ einfach: Ein Wechsel lohnt sich in vielen Fällen, vor allem für dienjenigen, die ihren Strom im Grundtarif beziehen. Dabei muss Ökostrom nicht unbedingt teurer sein und selbst wenn, wie im Fall von Greenpeace Energy und LichtBlick, kann es auch sinnvoll sein ein paar Euro mehr zu bezahlen, um deren Engagement zu würdigen. Mit den EWS Schönau und Naturstrom sind aber auch Ökostromprimi im preislichen Mittelfeld dabei.
Am erstaunlichsten dürfte aber sein, dass in der Aufstellung ausgerechnet der Tarif M-Ökostrom der Stadtwerke München am günstigsten abschneidet und ein weiterer Ökostromtarif, der RegionalStrom der Stadtwerke Landsberg, es auf Platz 3 der Rangliste schafft. Außer der eigenen Trägheit dürfte es da eigentlich kein Hindernis mehr geben, auf Ökostrom umzuschwenken.

Disclaimer: Der Autor bezieht Ökostrom, für ihn ist das ein elementarer Teil der persönlichen Energiewende. Er ist darüberhinaus aber mit keinem der genannten Anbieter geschäftlich oder privat verbunden und nimmt an keinerlei Bonus- oder Kundenwerbungsaktionen teil. Die Links in der Tabelle führen direkt zu den Webseiten der Anbieter, es sind keine Affiliatelinks, mit denen Provisionen abgeschöpft werden sollen.
Selsbtverständlich gibt es noch günstigere Stromtarife, sogar billigeren Ökostrom. Aber es muss auch über den Preis hinaus Werte geben, die für den Konsum entscheidend sind. Insofern ist die Auswahl der Anbieter nicht repräsentativ, was aber nicht bedeutet, dass sie willkürlich ist.

Ähnliche Artikel:

  1. Informationsveranstaltung Kernenergie und Stromanbieterwechsel in Graben
  2. Ökostrom als Sündenbock für Strompreiserhöhung
  3. Bündnis ruft zur zweiten Ökostrom-Wechselwoche auf
  4. Zu niedrige Konzessionsabgabe für Erdgas?
  5. Wegen Nein-Danke-Anstecker keine Besichtigungsfahrt des KKW Gundremmingen

flattr this!

Schlagworte: , , , , , , , , , , , ,

Hinterlasse eine Antwort