Think global, buy local

buy localViele Ortszentren drohen zu veröden. Eine Grund ist, dass es immer weniger Geschäfte gibt, die Menschen anlocken. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Neben der gestiegenen Mobilität, die Konsumenten weite Strecken zum Einkauf zurücklegen lässt, hat auch der Internethandel die Umsätze der Einzelhändler schrumpfen lassen. Die Folge: Das Geld wandert ab und damit nicht nur die Lebensgrundlage der Händler, sondern auch die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommunen. Die Initiative buy local will dem entgegen wirken und wieder ein Bewusstsein für regionale Wirtschaftskreisläufe schaffen. Im Moment sind dort überwiegend Buchhandlungen vertreten, das Konzept trägt aber durchaus für alle lokal verwurzelten Einzelhändler. In einem Video wird das Prinzip des lokalen Kaufens erklärt:


Link zum Video

Im ersten Moment hört es sich zwar reichlich neoliberal an, aber im Grunde ist das eigene Konsumverhalten auch eine Form der Gestaltung. Mit jedem Euro der ausgegeben wird, wird auch entschieden, was Zukunft hat oder nicht. Wenn das Geld zu den Internethändlern oder Discountern auf der grünen Wiese getragen wird, ist es nicht verwunderlich, wenn der Einzelhandel in den Ortszentren nach Protektion ruft.
Letzen Endes ist die Kaufentscheidung zugunsten eines Händlers vor Ort auch aktive Teilhabe an einer funktionierenden Stadtgesellschaft. Peter Plöger schreibt dazu auf freitag.de:

Es schwingt eine urpolitische Annahme mit: Die Stadt sollte ihren Bürgern gehören, sie sollten ihren Stadtraum mitgestalten. Sie gestalten ihn unter anderem durch ihre Konsumentscheidungen: Wo ich will, dass in meiner Stadt ein bestimmtes Angebot (weiter)besteht, sollte ich selbst auch kaufen. Die Stadt ist eine Polis und braucht die Mitwirkung der Ortsansässigen. Deren Souveränität über ihren Lebensort ist eine der Voraussetzungen für das gute Leben, ebenso wie das Gefühl, einer vitalen Gemeinschaft anzugehören, die für das Wohl des Ortes sorgt, an dem sie ansässig ist. Das kann unter Umständen bedeuten, die in erster Linie an Gewinnmaximierung ausgerichteten Interessen ortsfremder Großunternehmen zurückzuweisen. „Buylocal“ ist also auch eine Initiative mit politischem Anspruch.

Dre Pathos, der in dem Absatz steckt, darf natürlich nicht davon ablenken, dass Teilhabe nicht alleine vom Geld abhängen darf. Klar ist aber auch, dass die Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der Kommunen sehr stark davon abhängen, was an Geld zur Verfügung steht und das ist, so traurig das auch ist, der Rest, der noch nicht an die Handelskonzerne im Internet oder auf der grünen Wiese abgeflossen ist.

In letzter Konsequenz muss das natürlich auf die gesamte Wertschöpfungskette ausgedehnt werden. Wenn weit weg und unter schwer kontrollierbaren Umständen produziert wird, macht ein Aufkleber alleine daraus auch noch kein Nachhaltigskeitswunder. Aber Initiativen wie buy local können ja auch dieses Bewusstsein schärfen, indem sie für ihre Mitglieder entsprechende Statuten erlassen. Bei buy local ist das grundsätzlich der Fall, die Frage ist nur, wie das entsprechend kontrolliert und gegebenenfalls sanktioniert wird.

Aus der Region finden sich noch keine Mitglieder von buy local, nächst gelegen ist die Meringer Buchhandlung Buchhandlung Platzbecker. Aber wer weiß, vielleicht sieht man ja schon bald den orangen Aufkleber mit Eichhörnchen auch in Schwabmünchen an den Ladentüren.

2 comments for “Think global, buy local

  1. Gebhard Dischler
    31. März 2013 von 18:35

    Vielen Dank für diesen wertvollen Artikel!
    Wie können wir das auch an die Werbegemeinschaft Schwabmünchen weitergeben?
    Dieses Thema ist so wichtig wie der Ausbau der Innenstadt, denn nur Beides zusammen bringt uns zu einer lebendigen Stadt!
    Lasst uns gemeinsam daran Arbeiten!

    Gebhard Dischler
    Weltladen Schwabmünchen eG

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